Haben Sie Fragen? Annette Nowak antwortet

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hier finden Sie viele Antworten auf häufig gestellte Fragen, Tipps und Beiträge rund um die Themen Tinnitus und Geräuschempfindlichkeit. Ebenso jede Menge Wissen und aufklärende Fakten über clever beworbene Tinnituspräparate, Wundermittel und kuriose Behandlungsmethoden im Internet.
Auch Ihre Frage oder Ihre Erfahrung/en sind willkommen. Schreiben Sie uns via Facebook oder senden Sie eine E-Mail an frage@annette-nowak.de  Die Antworten finden Sie dann hier auf meiner Praxis-Website.

 

 

Kann eine Flugreise sich negativ auf meine Ohrgeräusche auswirken?
"Ich leide nun seit einem Jahr unter Tinnitus. Ich möchte bald in die USA fliegen. Nun mache ich mir grosse Sorgen, dass der Lärm im Flugzeug meinen Tinnitus verschlimmert. Ich habe dies auf dem letzten Flug trotz Gehörschutz erlebt. Dieser dauerte jedoch nur 2 Stunden, jetzt habe ich einen Flug von 12 Stunden vor mir. Ich hatte mir extra angepassten Gehörschutz anfertigen lassen, jedoch nützt dieser nicht mehr als normale Ohropax. Was raten Sie mir zu tun? Ich möchte auf keine Fall meinen Tinnitus verschlimmern. Und die Lärmbelastung im Flugzeug während 12 Stunden ist ja doch erheblich." A. S.

Antwort: Grundsätzlich dürfen Tinnitusbetroffene sorgenfrei fliegen. Sie müssen nicht befürchten, dass der Tinnitus dauerhaft lauter wird. Die Tinnitus erzeugenden Mechanismen spielen sich fast ausschließlich im Innenohr und /oder Gehirn ab. Diese werden durch den beim Flug auftretenden Druckunterschied nicht berührt. Zwar kann der Fluglärm tinnitusverstärkend wirken, in der Regeln jedoch nur vorrübergehend. Beschwerden ergeben sich häufig beim Starten und Landen am Mittelohr durch Druckunterschiede. Hier unterscheiden sich Tinnitusbetroffene jedoch nicht von anderen Flugreisenden. Beide Personengruppen sollten beim Landeanflug für einen Druckausgleich sorgen. Schlucken Sie regelmäßig, damit sich die für den Druckausgleich wichtige Eustachische Röhre öffnet. Das kann man auch schon vor Beginn der Landung tun.

Kann Akupunktur bei Tinnitus helfen?
Akupunktur gehört zu den anerkannten Naturheilverfahren und hat Ihre Wurzeln in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Dort wird sie bereits seit einigen hundert Jahren angewandt. Auch in der westlichen Medizin wird dieses Naturheilverfahren praktiziert und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei vielen Krankheiten empfohlen.
Die Wirksamkeit von Akupunktur bei Tinnitus wurde an der Universitäts-HNO-Klinik Göteborg erforscht. Die durchgeführten Studien haben gezeigt, so Dr. E. Biesinger, dass Tinnitus durch Akupunktur zwar nicht beseitigt werden kann, dass jedoch Folgeprobleme wie Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen positiv beeinflusst werden und dadurch auch die Ohrgeräusche.
Bei Ohrakupunktur wird der Tinnitus nicht etwa "weggestochen", sondern das Wirkprinzip basiert darauf, dass die im Ohr gesetzten Nadeln den Lebensenergiefluss (Qi) in den Meridianen (Leitbahnen) des menschlichen Organismus positiv beeinflussen.
Der Mensch verfügt über 12 Hauptmeridiane, auf denen 361 Akupunkturpunkte liegen, die sich jeweils auf ein bestimmtes Organ- oder Funktionssystem im menschlichen Körper beziehen.
Abgeraten wird von der Elektro-Akupunktur am Ohr, da sie die Ohrgeräusche teilweise verschlechtert habe.

Helfen Gingkopräperate bei Tinnitus?
Die Heilpflanze Ginkgo wird aus den Blättern des Ginkgobaums gewonnen und in Apotheken unter den Namen "Tebonin" und "Gingko Biloba" in Form von Tabletten, Tropfen, Lösungen und Kapseln angeboten. Laut Herstellern sollen Ginkgopräperate  in Bezug auf Ohrgeräusche insbesondere eine verbesserte Durchblutung des Innenohrs bewirken. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Wirkstoffe von Ginkgo keine direkte Wirkung im Innenohr entfalten und für die Behandlung von Tinnitus nutzlos sind. Ganz unabhängig davon wurde in medizinischen Studien mittlerweile nachgewiesen, dass die Durchblutung des Innenohres prinzipiell nur eine verschwindend geringe Rolle bei Tinnitus spielt.

"Tinnitrack" ein neues Wundermittel gegen Tinnitus ?
Derzeit wird eine Smarthphone-App mit dem Namen „Tinnitrack“  in den Medien hochgejubelt und von den meisten Krankenkassen sogar bezahlt.
„Tinnitracks“ werden bei chronischem, tonalem Tinnitus (mit stabiler Tinnitus-Frequenz 200 Hz -20 Hz) eingesetzen. Tonal ist beispielsweise ein pfeifendes, nicht-tonal ein brummendes Ohrgeräusch. Die Anwendung des Tinnitracks erfolgt über ein volles Jahr. Sie hören täglich 90 Minuten lang ein Musikstück Ihrer Wahl, aus dem ihre persönliche Tinnitusfrequenz herausgefiltert wurde. Hierfür bestimmt der HNO-Arzt im Vorfeld möglichst exakt Ihre individuelle Tinnitus-Frequenz. Beim diesem Tinnitus-Matching  werden Ihnen Töne zum Vergleich mit ihren Ohrgeräusch/en vorgespielt.  Bereits hier kann es kompliziert werden, denn oft fällt es nicht leicht, die eigenen Töne im Ohr zu beurteilen. Nach dem Prinzip der Neuroplastizität soll die speziell aufbereitete Musik des "Tinnitracks" die überaktiven Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns beruhigen und damit eine nachhaltige Linderung des Tinnitus bewirken. Der Erfolg ist noch fraglich. Nutzer von „Tinnitracks“ berichten, sie fühlten sich vom täglichen Hören der Musik bald genervt. Fachleuten zu Folge wird der Erfolg des "Tinnitracks"  lediglich mit dem Placeboeffekt ( keine Heilung ohne Glaube ...) gleichgesetzt. Mich erinnert der  "Tinnitrack" und seine Verheißung  an den  "Tinnitus-Masker" und  "Tinnitus-Noiser"  -  also alter Wein in neuen Schläuchen?

Wie wirksam ist Tinnitus-Retraining?
Antwort: Das Tinnitus-Retraining ist derzeit die wirksamste Methode zur Heilung von chronischem Tinnitus. Studien im anglo-amerikanischen Sprachraum und Deutschland weisen bei etwa 80% der Patienten eine deutliche Verbesserung nach. Das wissenschaftlich anerkannte Verfahren bewirkt keine Heilung im klassischen Sinn: Ziel ist es, die natürliche Filterfunktion des Wahrnehmungszentrums im Gehirn wieder zu aktivieren, so dass der Tinnitus nur noch gelegentlich und gelassen als belangloser Sinneseindruck wahrgenommen oder gar völlig überhört werden kann. Detaillierte Informationen finden Sie auf meiner Website unter >Tinnitus-Retraining-Programm.

Schlafen unsere Ohren nie?
Antwort: Der Hörsinn des Menschen ist gewissermaßen immer auf Empfang, selbst wenn wir schlafen. Warum? Archaisch war es für den Menschen überlebensnotwenig auch im Schlaf hören zu können. Aber auch für uns Menschen der Moderne hat der Hörsinn noch in vielen Situationen eine Alarm- und Warnfunktion. Mütter/Väter wachen beispielsweise bereits beim leisesten Geräusch ihres Babys auf. Zugleich besitzt unser Hörorgan die Fähigkeit, Geräusche aus unserem Bewusstsein auszublenden. Selbst recht laute Frequenzen. Vorausgesetzt, sie werden vom Bewertungszentrum im Gehirn als unwichtig eingestuft. Beim "überhören lernen" des Tinnitus lässt sich genau diese natürliche Filterfähigkeit auch wieder reaktivieren.
 

 Warum Meditation bei Tinnitus?
Antwort: Die vor allem in Indien und Asien seit Jahrtausenden geübte Meditation hat mittlerweile auch im Westen ihren festen Platz eingenommen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil vieler anderer Techniken wie z.B. des Yoga. Eine einfache Atem-Meditation oder Mantra-Mediation führt zur inneren Ruhe und ist prinzipiell mit keiner bestimmten Glaubensrichtung verbunden. In unserem >Tinnitus-Intensiv-Seminar leiten wir zur Entspannung eine geführte Meditation an, damit Sie bewusst innerlich ausruhen und von der inneren Fixierung auf die Ohrgeräusche loskommen.  

 

Was ist eine Phonopobie?

Eine Phonophobie ist von einer generellen Geräuschüberempfindlickeit (Hyperakusis) abzugrenzen. Eine Phonophobie liegt dann vor, wenn Menschen mit einem zumeist gesunden Gehör auf ganz spezielle Geräusche mit Angst reagieren. Ursächlich wird das spezielle Geräusch emotional mit einer negativen Erfahrung verknüpft. Das können für Lehrer oder Erzieherinnen typischerweise Kinderstimmen sein, für Büroangestellte das Telefonklingeln oder das Rauschen des Computers. Werden die negativ besetzten Geräusche gehört oder auch nur geahnt, wird häufig mit Vermeidung oder mit Flucht reagiert. Viele tragen ganztägig Ohrstöpsel, was dazu führt, dass das Gehirn die Stille als Hörverlust deutet und auf die Suche nach Geräuschen geht. Im Extremfall kann die Phonophobie so in eine generelle Hyperakusis übergehen.
 
 

 

 

Woran liegt es das Ohrgeräusche schwanken?
Antwort:
In den allermeisten Fällen schwankt hauptsächlich die Aufmerksamkeit auf den Tinnitus und weniger die Lautstärke selbst. Ärgern wir uns beispielsweise über die Ohrgeräusche oder lauschen besorgt hin, fokussiert das Wahrnehmungszentrum im Gehirn auf die Geräusche. Sie erscheinen uns dann lauter. Wird der Tinnitus einmal als lauter empfunden kann leicht ein Kreislauf in Gang kommen. Sind wir hingegen entspannt, erholt oder mit etwas Interessantem beschäftigt, sind die Ohrgeräusche nicht wichtig. Wir nehmen sie dann nur leise oder sogar gar nicht mehr wahr. Allerdings könne Faktoren wie Stress, einige Medikamente und in seltenen Ausnahmen auch Erkrankungen dazu führen, dass die Ohrgeräusche schwanken. Das lässt sich jedoch in einem gründlichen Anamnesegespräch klären.

 

Ist Tinnitus ein Durchblutungsproblem ?

Ganz hartnäckíg hält sich das Gerücht, dass Tinnitus etwas mit der Durchblutung des Ohrs zu tun habe. Sogar viele Ärzte gehen davon aus, dass eine gestörte Durchblutung des Innenohrs der Grund für Tinnitus ist. Darum bekommen viele Patienten durchblutungsfördernde Medikamente verschrieben. In Studien hat sich jedoch gezeigt, dass die Durchblutung nur bei einem ganz geringen Prozentsatz eine Rolle bei Tinnitus spielt. Die Haarzellen, also die Sinneszellen im Ohr, werden nämlich gar nicht direkt durchblutet. "Die Wirkung von Medikamenten (dies gilt zum Teil auch für Kortikoide) ist mit dem Abfeuern einer Schrotgewehrsalve auf einen Apfelbaum zu vergleichen: Manchmal fällt dann auch ein Apfel herunter...", so Prof. Goebel.

(Quelle: 100 Fragen zum Tinnitus, C. Thora,  G. Goebel)